Br. David Steindl-Rast OSB
Der folgende Text stammt aus Bruder Davids englischsprachigen Gesprächs-Aufzeichnungen, die von Nancy Graeff über viele Jahre hinweg sorgfältig angefertigt wurden. Nancy war mit ihrem Ehemann Roderich Graeff, einem Chemiker und langjährigen Freund von Bruder David, verbunden; das Ehepaar pflegte über viele Jahre einen freundschaftlichen Kontakt zu ihm. Nancy war von einem seiner frühen Vorträge (um 1978) so bewegt, dass sie begann, weitere Gespräche und Vorträge auf Tonband aufzunehmen und zu transkribieren. Daraus entwickelte sich eine enge und über Jahre gewachsene Freundschaft und Zusammenarbeit.
Das wirkt vielleicht etwas lose gefügt, doch ich habe es unter den Seiten gefunden, die ich vor so langer Zeit niedergeschrieben habe. Vielleicht kannst du es verfeinern und weiterverwenden.
Es gibt ein schönes Gedicht des Joseph von Eichendorff, in dem der Dichter zu Gott spricht:
«Du bist’s, der, was wir bauen,
mild über uns zerbricht,
dass wir den Himmel schauen ‒
darum so klag’ ich nicht.»
Und darum verzweifle ich nicht. Wenn wir an die Wanderung durch die Wüste denken – als Ausdruck der Hoffnung –, dann erinnern wir uns auch an die kleinen Hütten, die unsere jüdischen Brüder und Schwestern bis heute Jahr für Jahr zum Sukkot bauen.
Zur Erinnerung an jene Zeit, in der sie einzig von Hoffnung lebten. Ganz angewiesen auf Gott. Tag für Tag überrascht. Sie gingen hinaus – und da lag Manna auf der Erde. Nichts anderes hatten sie zum Leben. Sie lebten von der Überraschung. Von dem, was man nicht erwarten kann. Unvorstellbare Überraschung. Und so bauen sie diese Hütten und wohnen eine ganze Woche darin und feiern. Denn diese Hütte – sie ist das Haus der Hoffnung. Das Haus der Überraschung.
Und so sollten auch wir bauen, als Pilger auf dem Weg. Und die Weisung für dieses Bauen lautet: Errichtet die Wände so leicht, dass ihr noch spürt, dass ihr Nachbarn habt. Und baut die Dächer so leicht, dass ihr hindurchsehen könnt und die Sterne erkennt. Ein solches Dach muss Gott nicht erst aufbrechen. Doch bauen wir fester, bauen wir schwerer – und gewiss, die meisten unserer religiösen Einrichtungen haben allzu fest gebaut –, dann dürfen wir erwarten, dass Gott alles zerschlägt, um Raum zu schaffen für das Unvorstellbare. Damit wir die Sterne sehen. Und so Menschen der Hoffnung werden.
Quelle: HOPE, transkribiert von Nancy Greaff (1980er / 1990er Jahre).
(ins Deutsche übersetzt von Klaudia Menzi Steinberger)
